Bewährte Praktiken (nicht nur) für Behördenbibliotheken

Ausgabe 8/2012

Schon zum fünften Mal liegt die neueste Ausgabe der „Best Practices for Government Libraries“-Reihe vor, die vom Datenbankhost LexisNexis zusammengestellt wurde. Es handelt sich bei dieser Publikation um eine umfangreiche Sammlung von Best Practice-Fällen mit dem besonderen Augenmerk auf Behördenbibliotheken. Die vorhandenen Beiträge sind aber größtenteils nicht nur für Behörden- und Parlamentsbibliotheken von Interesse, sondern allgemein für alle Arten von Infoprofis. Thematische Schwerpunkte bilden mobile Technologien, Community und Zugangsmöglichkeiten.

Nachfolgend werden einige Aussagen und Inhalte aus diesem fast 300 Seiten umfassenden und lesenswerten Werk vorgestellt:

  • Best Practice-Tipps für die Einführung von E-Books beinhalten z.B. die vorhergehende Durchführung eines Tests mit einer geringen Anzahl von Titeln, um erste Präferenzen der Benutzer zu erhalten. Beim Start eines E-Book-Programms empfiehlt sich für den Erwerb ein Mix aus E-Book-Paketen sowie individuell ausgewählten E-Books. Danach sollte man die Nutzung von E-Books erhöhen, indem die Benutzer motiviert werden, mobile Endgeräte für den Abruf von elektronischen Büchern zu verwenden. Zur weiteren Verankerung von E-Books als eine wesentliche Bibliotheksdienstleistung empfiehlt es sich, die E-Books zu einem wichtigen Teil des Forschungs- und Rechercheprozess der Benutzer zu machen.
  • Informationseinrichtungen, unabhängig auf welcher organisatorischen Stufe sie angesiedelt sind, sollten die sich ihnen heute bietenden Gelegenheiten annehmen und den Wissensverteilungsprozess innerhalb ihrer Organisation anstoßen. Das Gegenteil davon sind die gegenwärtig weitverbreiteten Budget- und Personalkürzungen, die einen unersetzlichen Verlust an Sammlungen und an Know-how bedeuten. Bibliothekare und andere Informationsspezialisten müssen umgehend ihren vorhandenen Einfluss ausüben und ihren Anspruchsgruppen vermitteln, dass ihre Informationsarbeit eine äußerst wertvolle und nirgendwo anders zu beschaffende Ressource darstellt.
  • Information Professionals müssen beginnen, die Grenzen ihres Berufes auszuweiten, um den sich ständig wandelnden Rahmenbedingungen – dies beinhaltet neben neuen Technologien auch neue Generationen an Benutzern – besser begegnen zu können. Um diese Grenzen zu verschieben, muss man bereit sein alles, wirklich alles in Frage zu stellen, d.h. auch die in vielen Informationseinrichtungen vorhandenen „heiligen Kühe“ möglicherweise zu „schlachten“.
  • Wenn Informationsspezialisten mit sozialen Medien starten wollen, stellt sich die Frage, wie das am besten geschieht? Hier können die 7 C's für soziale Medien helfen: Channel, Content, Community, Conversation, Candidness, Counted und Committment. Das erste C (Channel) beinhaltet die Auswahl des geeigneten Kanals bzw. der richtigen Kanäle, d.h. auf welche sozialen Plattformen (Facebook, Twitter, etc.) sollte man setzen? Das 2. C (Content) umfasst den Plan für die geeignete Erstellung der Inhalte. Beim 3. C (Community) sollte man festlegen, mit welchen Personen und Gruppen man interagieren will. Das 4. C (Conversation) betont die Notwendigkeit, nicht nur selbst Inhalte zu produzieren, sondern sich auch mit den Usern von Tweets, Posts auszutauschen, also keine Kommunikations-Einbahnstraße zu betreiben. Das 5. C (Candidness) verweist darauf, dass man ehrlich und offen mit seinen Usern kommunizieren sollte, d.h. aber auch, nicht Interna oder zu private Dinge in sozialen Medien zu veröffentlichen. Das 6. C (Counted) bedeutet, dass man den Erfolg oder Misserfolg des sozialen Medienauftritts von der Informationseinrichtung auch messen muss, z.B. anhand von Kennzahlen wie der Anzahl der Follower. Das 7. und letzte C (Committment) ist der schwerste Schritt bei der Umsetzung eines sozialen Medien-Programms. Oftmals wird einem nach einer gewissen Zeit bewusst, dass der soziale Medien-Auftritt immer seltener gepflegt wird, da andere Aufgaben und Aufträge dies verunmöglichen. Dieser Zustand sollte tunlichst vermieden werden. Deshalb sollte vor dem Aufbau eines sozialen Medien-Kanals wirklich garantiert sein, dass dieser Auftritt langfristig gesichert und betreut werden kann, und damit am Ende keine „Geisterstadt“ steht.
  • Für Bibliotheken ist das heute im Zusammenhang mit sozialen Netzwerken weit verbreitete Schlagwort „Collaboration“ nichts Neues. Informationseinrichtungen nutzen Zusammenarbeit schon seit Jahrhunderten und historisch gesehen begann das Zeitalter der Bibliotheken durch Zusammenarbeit. Beispiele für die praktizierte Zusammenarbeit von Bibliotheken ist die Fernleihe, die Zusammenarbeit über verschiedene Standorte einer Informationseinrichtung, die Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen speziell im Forschungsbereich oder die Zusammenarbeit von Informationsspezialisten in den verschiedenen bibliothekarischen Berufsvereinigungen. So gesehen steht Bibliothek exemplarisch für den Begriff „Community“. Dieses schon lang vorhandene Konzept der Zusammenarbeit muss nur adäquat in das digitale Informationszeitalter übertragen werden, um auch im Zeitalter von Web 2.0 und 3.0 eine entscheidende Rolle bei der Informationsversorgung der Gesellschaft spielen zu können.

 Quelle: Kaddell,Marie (Hrsg.): „2012 Best Practices for Government Libraries: Pushing Boundaries: Mobility, Community, Accessibility“; 2012, online kostenlos abrufbar unter http://www.lexisnexis.com/tsg/gov/best_practices/best_practices_2012.pdf

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